Old-Time Gitarre

Frau mit Gitarre

Was ist Old-Time Gitarre

Die Old-Time Gitarre ist eine akustische Stahlsaitengitarre, die vor allem dazu dient, einen gleichmäßigen, treibenden Rhythmus für nordamerikanische Volkstanzmusik zu erzeugen. Sie stammt aus den Appalachen und bildet das rhythmische Herzstück einer Stringband, indem sie Geigen- und Banjomelodien mit einem einfachen, schmucklosen „Boom-Chick“-Bass- und Akkordanschlag untermalt.

Hauptmerkmale


Der „Boom-Chick“ Rhythmus:

Das charakteristische Merkmal der Old-Time-Gitarre ist ihr repetitives, einfaches Rhythmusmuster. Die Spieler verwenden meist Abwärtsschläge mit einem Daumen- oder Plektrum, um den Hauptbasston anzuschlagen, gefolgt vom Anschlagen des Akkords. Dies wechselt mit dem Nebenbasston (z. B. Grundton-Anschlag-Quinte-Anschlag), um einen Kontrabass zu imitieren.

Einfachheit statt Soli:

Im Gegensatz zum Bluegrass, der virtuose Soli und improvisatorische Passagen bietet, wiederholt die Old-Time-Gitarre selten Soli. Ihre Hauptaufgabe ist es, das Tempo für Square Dance und Contra Dance vorzugeben.

 

Akkorde:

Traditionelle Gitarristen verwenden typischerweise offene Akkordgriffe in Tonarten wie G, C, A und D. Die Begleitung wird im Allgemeinen einfach gehalten, um dem Geigeninstrument (dem wichtigsten Melodieinstrument) klanglichen Raum zu lassen.

 

Das Instrument:

Historisch gesehen und auch heute noch bevorzugen Musiker häufig großkorpusige Akustikgitarren – wie die klassische Gibson J-45 oder die Martin Dreadnought –, um einen lauten, resonanten „Wumms“ zu erzielen, der sich in einer Session auch gegen die anderen akustischen Instrumente durchsetzt.

Wichtige Spieltechniken

Das Old-Time-Gitarrenspiel ist ein grundlegender, rhythmisch orientierter Stil, der zur Begleitung von Geigern und Sängern dient. Kernstück des Stils ist der „Boom-Chuck“-Rhythmus (oder Bass-Strum), der ein gleichmäßiges Tempo vorgibt. Er verzichtet auf virtuose Soli und konzentriert sich stattdessen darauf, die Melodie mit soliden Basslinien und Akkorden voranzutreiben.

„Boom-Chuck“ Schlagmuster

Die wichtigste Technik beim Old-Time-Gitarrenspiel ist der „Boom-Chuck“-Rhythmus (oder alternierender Bassrhythmus). Diese treibende, stark perkussive Technik der rechten Hand verbindet dich mit der Geige und erfordert, dass du auf dem ersten Schlag einen tiefen Basston anschlägst, gefolgt von einem Aufwärtsschlag der höheren Saiten.

Die Grundlage der Begleitung ist das abwechselnde Anschlagen von Grundton und Quinte des Akkords. Zählzeit 1: Den tiefsten Basston des Akkords anschlagen (z. B. die leere 6. Saite für E, die 5. Saite für A). Zählzeit 2: Den vollen Akkord anschlagen. Zählzeit 3: Den abwechselnden Basston anschlagen (normalerweise die 4. Saite oder den Grundton eine Oktave höher). Zählzeit 4: Den vollen Akkord erneut anschlagen.

Die Old-Time-Gitarre ist in erster Linie ein Begleitinstrument, das den Rhythmus vorgibt und Geiger oder Sänger unterstützt. Um sie meisterhaft zu beherrschen, müssen mehrere Schlüsselelemente erlernt werden, darunter:

 

Akkorde - Tonleiter

Lerne die wichtigsten Tonarten und Akkorde. Traditionelle Fiddle-Melodien werden meist in wenigen Standardtonarten gespielt.

Du solltest die I-, IV- und V-Akkorde in diesen Tonarten sicher spielen können: D-Dur: D, G und A;  A-Dur: A, D und E (oder E7);  G-Dur: G, C und D;  C-Dur: C, F und G

Für einen G-Akkord: Spiele die tiefe G-Saite (6. Saite) auf der Zählzeit 1, schlage die Diskantsaiten auf der Zählzeit 2 an, spiele die tiefe D-Saite (4. Saite) auf der Zählzeit 3 und schlage die Diskantsaiten auf der Zählzeit 4 an.

Carter Style - Schlagmuster

Der Carter Schlagmuster, bekannt geworden durch Maybelle Carter, verbindet Rhythmus und Melodie. Der Daumen spielt die Hauptmelodienoten auf den tieferen Saiten, während der Zeigefinger oder das Plektrum die höheren Saiten auf den unbetonten Schlägen berührt, um die akkordische Begleitung zu erhalten.

Carter Style findest du auf diese Seite: Gitarre Fingerpicking - Carter Style

 

Walking Bass Runs

Um deinen Rhythmus interessanter zu gestalten, wiederhole nicht einfach immer dieselben zwei Bassnoten, sondern füge beim Übergang zwischen den Akkorden kurze Durchgangsnoten oder Walking Bass-Läufe ein. Zum Beispiel: Beim Übergang von G nach C spielst du zuerst das G, dann ein A und schließlich ein B auf der fünften Saite, bevor du beim C-Akkord landest.

Dadurch entsteht ein Walking-Bass-Effekt, der dem Song Bewegung verleiht und gleichzeitig fließende Übergänge zwischen den Akkordformen ermöglicht.

Bass Runs findest du auf diese Seite: Walking Bass Runs

 

Kapodaster

Viele traditionelle Fiddle-Melodien werden in Tonarten wie A oder D gespielt. Gitarristen der alten Schule verwenden oft einen Kapodaster im zweiten Bund und spielen aus der G-Lage heraus, um die Tonart A ohne Barré-Akkorde leichter zu erreichen. Dadurch kommen auch die offenen Saiten mit ihrem vollen, klaren Klang optimal zur Fiddle-Musik zur Geltung.

Die Old-Time-Gitarre verwendet häufig offene Griffpositionen (wie G, C, A, D und E) anstelle von Barré-Akkorden. Ein Kapodaster wird oft verwendet, um diese offenen Griffpositionen auf dem Griffbrett nach oben zu verschieben, sodass man in höheren Tonarten (wie Bb oder Eb) spielen kann und gleichzeitig den vollen, klingenden Klang der offenen Saiten beibehält.

Kapodaster-Tabelle und Infos über Kapodaster findest du hier: Kapodaster und Kapodaster-Tabelle

Dynamik

Anders als beim Bluegrass, wo die Gitarre laute, kraftvolle Läufe spielt, geht es beim Old-Time-Rhythmus vor allem um Subtilität.

 

Choke

Dämpfen Sie die Saiten direkt nach dem Anschlagen: Heben Sie die Greiffinger an oder dämpfen Sie die Saiten mit der Zupfhand. So bleibt der Rhythmus präzise und ein dumpfer, nachklingender Ton, der mit der Geige kollidieren würde, wird vermieden.

 

Volume Control

Spiele leiser, während ein anderes Instrument (z. B. die Geige) die Melodie spielt. Hebe dir dein kräftigstes Strumming für die Begleitung auf, wenn die Melodie pausiert, oder um die Melodie während eines Breaks voranzutreiben.

 

Der größte Fehler, den Gitarristen bei Jamsessions machen, ist, zu laut zu spielen und die Melodie zu übertönen. Hört immer genau auf die Geige oder das Banjo. Lasst sie die Melodie bestimmen und achtet darauf, dass eure Lautstärke etwas unter ihrer liegt, um sie zu unterstützen, anstatt mit ihnen zu konkurrieren.

 

Bluegras vs. Old-Time

Obwohl sowohl Bluegrass als auch Old-Time-Gitarre ihre Wurzeln in der traditionellen Appalachenmusik haben, erfüllen sie völlig unterschiedliche Funktionen. Bluegrass-Gitarre konzentriert sich auf virtuose, improvisatorische Soli und einen prägnanten, treibenden, perkussiven Rhythmus. Old-Time-Gitarre dient fast ausschließlich als gleichmäßiger, präziser Rhythmusgeber zur Unterstützung des Tanzes.

Hauptrolle

Bluegrass - Wechselt zwischen perkussivem Bassakkord-Rhythmus („Boom-Tschack“) und komplexen, improvisierten Lead-Soli.

Old-Time - Es handelt sich im Wesentlichen um ein Rhythmusinstrument. Der Fokus liegt auf einem kontinuierlichen, treibenden Basslauf und einem pulsierenden Akkord, um die Tänzer anzutreiben.

 

Plektrumtechnik

Bluegrass - Verwendet ausschließlich ein Plektrum. Wendet eine Mischung aus Abwärts- und Aufwärtsanschlägen sowie schnellem „Cross-Picking“ und Flatpicking einzelner Noten an.

Old-Time - Oftmals wird ausschließlich mit Abwärtsanschlägen oder einem einfachen, abwechselnden „Boom-Chuck“-Bass gespielt. Aufwärtsanschläge werden im Allgemeinen vermieden, um die Geige nicht zu übertönen.

Verwendete Gitarren

Bluegrass - Die laute, dröhnende Dreadnought-Form (wie bei der Martin D-18 oder D-28) ist der Standard, um sich gegen laute Banjos und Mandolinen durchzusetzen.

Old-Time - Bei Gitarren mit kleinerem Korpus (wie z. B. 00- oder 000-Modelle), manchmal sogar bei Vintage- oder Leiterverstrebungsinstrumenten, ist die Lautstärke nicht das Hauptziel.

 

Soli/Breaks

Bluegrass - Ja. Jedes Instrument (einschließlich der Gitarre) improvisiert nacheinander Variationen der Melodie.

Old-Time - Spielt selten ein Solo. Die Gitarre liefert den rhythmischen Hintergrund, während die Geige oder manchmal das Banjo die Melodie spielt.

 

Dynamik & Gefühl

Bluegrass - Gleiche Betonung von Downbeat und Offbeat (verstärkt durch den Mandolinen-Chop) für ein stark synkopiertes, treibendes Spielgefühl.

Old-Time - Starker, fast ausschließlicher Fokus auf den Downbeat (Schläge 1 und 3), um die Leute zum Tanzen zu animieren.

Die Rolle der Gitarre in einer Jam-Session


Da Old-Time Musik als Gesellschaftstanzmusik auf Veranden entstand, spielt das gesamte Ensemble (Geige, Banjo, Gitarre) das Stück gemeinsam von Anfang bis Ende. Die Gitarre dient dabei als Metronom und unterstützt den Gemeinschaftsaspekt des Genres, anstatt individuelle Virtuosität zu fördern.

 

Bluegrass hingegen wurde stark von Jazz, Blues und kommerzieller Country-Musik beeinflusst. Es ist ein performanceorientierter Stil, bei dem die Instrumente abwechselnd in den Vordergrund treten, während die Rhythmusgruppe sich zurücknimmt, um den Solisten zu unterstützen.